4 Tipps für mehr Berufsstolz

Was Organisationen und Führungskräfte leisten können

Ob Checklisten, Human Factors Trainings oder Simulationsübungen – Ansätze aus anderen Branchen werden für die Patientensicherheit im Krankenhaus schon lange genutzt. Doch auch beim Berufsstolz lohnt ein Blick über den Tellerrand. Das zeigen der Psychologe Martin Egerth und der Krankenpfleger Benjamin Walder auf der Fortbildung für Pflegende 2022. Einige Tipps vorab.

Mangelnder Berufsstolz ist nicht nur in der Pflege ein Thema. Auch andere Branchen sind betroffen. „Der Berufsstolz wird von vielen Unternehmen und Führungskräften noch als selbstverständlich vorausgesetzt“, sagt Martin Egerth, Diplom-Psychologe und Leiter der Personalentwicklung bei der Schweizer Flugsicherung. „Die Rahmenbedingungen und der gestiegene Druck in den letzten Jahren führen aber dazu, dass viele ihre Berufsmotivation infrage stellen.“ Organisationen und speziell die Führungskräfte müssen erkennen, dass sie etwas tun müssen, um den Berufsstolz zu erhalten. Doch was können sie für motivierte und stolze Mitarbeitende tun? 

1. Interpersonelle Kompetenzen schulen: In Hochrisiko-Organisationen spielen die zwischenmenschlichen Kompetenzen – neben dem technisch-prozeduralen Wissen – in der Aus- und Weiterbildung eine wichtige Rolle: Wie gehen wir miteinander um? Wie kommunizieren wir? Wie treffen wir Entscheidungen? „Im Krankenhaus setzt man jedoch überwiegend auf die Schulung von Fachwissen und vernachlässigt diese interpersonellen Kompetenzen komplett“, sagt der österreichische Krankenpfleger Benjamin Walder. Dabei braucht es diese zwischenmenschlichen Kompetenzen dringender denn je – nicht nur als eine wichtige Grundlage für Berufsstolz.

2. Auf den Faktor Mensch setzen: Menschen möchten nicht nur als Pilot oder Pflegeperson gesehen werden, sondern vor allem als Mensch. „Im System Luftfahrt investiert man deshalb schon lange in den Faktor Mensch, sowohl in Trainings als auch im generellen Umgang miteinander“, sagt Martin Egerth. Eine solche Kultur braucht es auch im Krankenhaus. Das bedeutet für Führungskräfte zum Beispiel, einen achtsamen Blick auf alle Teammitglieder zu haben, ihre Sorgen wahrzunehmen und diese bei Bedarf auch anzusprechen. 

3. Flache Hierarchien fördern: Im Krankenhaus sind Hierarchien noch immer sehr ausgeprägt. „Das macht auch etwas mit dem Berufsstolz“, sagt Walder. Ganz anders in der Luftfahrt. Hier ist es gelungen, Hierarchien abzuschaffen und damit auch eine neue Fehlerkultur zu etablieren. „Wenn man in einem sehr hierarchischen Umfeld arbeitet, wird niemand einen Fehler eingestehen und es werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Auch wird niemand sich trauen, eine hierarchisch höher gestellte Person auf einen Fehler hinzuweisen“, sagt Egerth. „Das kann in der Luftfahrt aber tödlich sein – für das ganze Team.“

4. Teambeziehungen pflegen: Es ist wichtig, in gute Beziehungen zu investieren. Das stärkt das Team und fördert damit auch den Berufsstolz. Dazu braucht es auch keine kostspieligen Teambildungsmaßnahmen. „Wenn der grundsätzliche alltägliche Umgang im Team nicht stimmt, kann ich gemeinsame Kletter- & Raftingtouren anbieten, wie ich will, es wird in der täglichen Zusammenarbeit nichts bringen“, sagt Walder. Viel wichtiger seien regelmäßige Teambesprechungen sowie ein achtsamer Umgang miteinander, Respekt, eine gelebte Sicherheits- & Fehlerkultur und ein echtes Interesse am Gegenüber. 

Es lohnt, auf mehr Berufsstolz zu setzen und diesen gezielt zu fördern. Denn das Thema ist nicht nur wichtig, um Mitarbeitende zu halten, sondern auch um junge Menschen für den Beruf zu gewinnen, ist sich Walder sicher: „Wie wollen wir junge Menschen für die Pflege gewinnen, wenn wir nicht auch nach außen präsentieren, wie schön und vielfältig dieser Beruf ist?“ 

bt

Diskutieren Sie mit auf der Fortbildung für Pflegende am 2. Dezember 2022! 

Martin Egerth und Benjamin Walder sind Referentin des Vortrags: „Berufsstolz in der Pflege“ (9.30 bis 9.50 Uhr) und Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Zwischen Schülervertretung und Regierungskommission – Pflege in der Professionalisierungsfalle“ (11 bis 11.40 Uhr).

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